Was sagt die Gewinn- und Verlustrechnung aus?

1.) Welche zwei Verfahren sind nach dem Handelsgesetzbuch bei der Erstellung der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) wahlweise anzuwenden?
Nach §275 HGB darf die Gewinn- und Verlustrechnung wahlweise nach dem Gesamtkostenverfahren oder dem Umsatzkostenverfahren erstellt werden.
Die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren ist in §275 Abs. 2 HGB geregelt, die Gliederung der GuV nach dem Umsatzkostenverfahren regelt §275 Abs. 3 HGB. Die beiden Gliederungsschemata stellen für Kapitalgesellschaften Mindestgliederungen dar.

2.) Wie ist die Gewinn- und Verlustrechnung gegliedert?
Aufgrund der Unterscheidung nach Umsatzkostenverfahren und Gesamtkostenverfahren ergeben sich auch zwei unterschiedliche gliederungs-schemata:

Gliederung bei Anwendung des Umsatzkostenverfahren nach §275 HGB Abs. 2

1. Umsatzerlöse
2. Herstellkosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Vertriebskosten
5. allgemeine Verwaltungskosten
6. sonstige betriebliche Erträge
7. sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Erträge aus Beteiligungen,
    8.1. davon aus verbundenen Unternehmen
9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens,
    9.1. davon aus verbundenen Unternehmen
10. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge,
    10.1. davon aus verbundenen Unternehmen
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen,
    12.1. davon an verbundenen Unternehmen
13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
14. außerordentliche Erträge
15. außerordentliche Aufwendungen
16. außerordentliches Ergebnis
17. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
18. sonstige Steuern
19. Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag

Gliederung bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens §275 HGB Abs. 3

1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
3. andere aktivierte Eigenleistungen
4. sonstige betriebliche Erträge
5. Materialaufwand:
    a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren
    b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
6. Personalaufwand:
    a) Löhne und Gehälter
    b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung,
        davon für Altersversorgung
7. Abschreibungen:
    a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen
    b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft   üblichen Abschreibungen überschreiten
8. sonstige betriebliche Aufwendungen
9. Erträge aus Beteiligungen,
    davon aus verbundenen Unternehmen
10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens,
      davon aus verbundenen Unternehmen
11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge,
     davon aus verbundenen Unternehmen
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen,
      davon an verbundene Unternehmen
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. außerordentliche Erträge
16. außerordentliche Aufwendungen
17. außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. sonstige Steuern
20. Jahresüberschuß/Jahresfehlbetrag.

3.) Wie wird nach dem Gesamtkostenverfahren der Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag ermittelt?
((1(+/-)2+3+4-5-6-7-8) = Betriebsergebnis (EBIT = Earnings before Interests and Taxes) = Ergebnis vor Steuern

EBIT+9+10+11-12-13 = 14 (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit)

14+15-16 = 17 (außerordentliches Ergebnis)

17-18-19 = 20 (Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag)

4.) Über welche Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung wird beim Gesamtkostenverfahren eine periodengerechte Erfolgsermittlung erreicht?
Grundlage einer periodengerechten Erfolgsermittlung ist eine rechnerische Angleichung der Erträge an die Aufwendungen. Hierzu werden beim Gesamtkostenverfahren die Mehrungen des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen UND die aktivierten Eigenleistungen zu den Umsatzerlösen hinzugerechnet. Bestandsminderungen der fertigen und unfertigen Erzeugnisse werden von den Umsatzerlösen subtrahiert.

5.) Wie wird das Rohergebnis ermittelt?
Bei Ermittlung der GuV nach dem Gesamtkostenverfahren werden die Punkte 1 bis 6 der Gliederung (siehe oben) zum Rohergebnis addiert.
Bei Ermittlung der GuV nach dem Umsatzkostenverfahren werden die Punkte 1 bis 3 und 6 der Gliederung zum Rohergebnis addiert.
Beim Rohergebnis handelt es sich um eine wenig aussagekräftige rechnerische Zwischensumme. So werden z.B. Abschreibungen bei Ermittlung des Rohergebnisses nicht berücksichtigt.

 

Basislektüre für diesen Beitrag: Das Controlling 1×1: Unternehmenserfolg steuern mit Kennzahlen. Tipps zu Basel II. Checklisten und Fallbeispiele