1.) Die Aktivseite der Bilanz wird in Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt. Worin unterscheiden sich Anlage- und Umlaufvermögen?

Unter Anlagevermögen (fixed assets) versteht man den auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesene Teil der Vermögensgegenstände, die dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb der Unternehmung dauerhaft zu dienen. Anlagevermögen ist in der Regel langfristig gebunden.

Zum Umlaufvermögen (current assets) gehören die Vermögensgegenstände, die im Rahmen des Betriebsprozesses umgesetzt werden sollen. Ihr Bestand ändert sich folglich häufig durch Zu- und Abgänge. Umlaufvermögen ist daher nur kurz im Unternehmen gebunden und kann mit kurzfristigem Fremdkapital oder Lieferantenkrediten finanziert werden.

Folglich liegt der Unterschied zwischen Anlage- und Umlaufvermögen in der Dauer der Kapitalbildung und damit verbunden in der Kapitalverwendung

Die Gliederung der Bilanz in Anlage- und Umlaufvermögen nach § 266 HGB (Gliederung der Bilanz) erfolgt dabei nach folgendem Schema:

A. Anlagevermögen

I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1. Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte
2. entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten
3. Geschäfts- oder Firmenwert
4. geleistete Anzahlungen

II. Sachanlagen
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, Bauten auf fremden Grundstücken
2. Technische Anlagen und Maschinen
3. andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA)
4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau

III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbunden Unternehmen
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen
3. Beteiligungen
4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht
5. Wertpapiere des Anlagevermögens
6. sonstige Ausleihungen

B. Umlaufvermögen

I. Vorräte
1. Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe
2. unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen
3. fertige Erzeugnisse und Waren
4. geleistete Anzahlungen

II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen
3. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht
4. sonstige Vermögensgegenstände

III. Wertpapiere
1. Anteile an verbundenen Unternehmen
2. eigene Anteile
3. sonstige Wertpapiere

IV. Schecks, Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Postgiroguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten

C. Rechnungsabgrenzungsposten

D. Aktive latente Steuern

E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung


2.) Was versteht man unter immateriellen Vermögensgegenständen?
Unter immateriellen Vermögensgegenständen versteht man Rechte, rechtsähnliche Werte und sonstige Vorteile. Insbesondere gehören dazu Patente, Markenrechte, Nutzungsrechte, Urheberrechte, Verlagsrechte, Optionsrechte, Belieferungsrechte, Konzessionen, Lizenzen, ungeschützte Erfindungen, Know-how und Ähnliches.

3.) Unter welcher Voraussetzung sind Sachanlagen zu bilanzieren?
Sachanlagen – wie z.B. Grundstücke und Gebäude, Maschinen und Werkzeuge, Fahrzeuge, Betriebsausstattung – sind dann zu bilanzieren, wenn Sie ausschließlich und unmittelbar eigenbetrieblichen Zwecken dienen.

4.) Unter welcher Voraussetzung sind Finanzanlagen als Anlagevermögen zu bilanzieren?
Finanzanlagen werden dann als Anlagevermögen aktiviert, wenn es sich im betriebswirtschaftlichen Sinne um eine Beteiligung handelt. Dabei handelt es sich um Beteiligungen, die das eigene Unternhemen an anderen Unternehmen eingeht. Beteiligungen sind in der Regel auf Dauer angelegt. Sie können in Form von Wertpapieren verbrieft sein. Aber auch nicht verbriefte Anteilsrechet kommen als Beteiligung in Betracht – z.B. Anteile an einer GmbH, OHG oder KG.

5.) Mit welchem Wert sind a.) der Materialbestand und b.) die unfertigen Erzeugnisse und Leistungen bei der Bilanzierung anzusetzen?
a.) Der Ist-Bestand der Roh- Hilfs, und Betriebsstoffe ist zum Ende des Geschäftsjahres zu aktivieren. Es werden grundsätzlich die Anschaffungskosten angesetzt.
b.) Unfertige Erzeugnisse und unfertige Leistungen sind mit den Herstellungskosten zu bewerten.

6.) Unter welcher Bedingung sind Kundenforderungen zu bilanzieren?
Grundsätzlich gilt, dass zur Bilanzierung einer Forderung diese auch entstanden sein muss. Das heißt, dass bilanzierende Unternehmen muss seinen Vertrag – also seine Leistung – erbracht haben. Die Bewertung von Forderungen erfolgt nach deren Nominalwert.

7.) Unter welchen Voraussetzungen sind Kundenforderungen mit einem niedrigeren Wert als dem Nominalwert in der Bilanz anzusetzen?
Wie in 6.) beschrieben, erfolgt die Bilanzierung von Kundenforderungen nach deren Nominalwert. Dieser ist aber nach dem Niederstwertprinzip dann zu unterschreiten, wenn Tatsachen nach dem Grundsatz der Einzelbewertung zu berücksichtigen sind, die dafür sprechen, dass der Nominalwert nach unten korrigiert werden muss. Folglich sind dubiose (zweifelhafte) – im schlimmsten Falle auch uneinbringliche – Forderungen nach ihrer Wertkorrektur auf spezielle Konten umzubuchen. Ziel dessen ist es, dass der Forderungsbestand eins den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild geben muss.

8.) Welche Vermögensgegenstände werden in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hauptsächlich als sonstige Vermögensgegenstände bilanziert?
In KMU gelten als sonstige Vermögensgegenstände hauptsächlich Gesellschaftsanteile an Unternehmen zum kurzfristigen Verbleib, Ansprüche aus Rückdeckungsversicherungen, Geldtransit, Umsatzsteuerforderungen, Umsatzsteuervorauszahlungen und Forderungen aus Bürgschaften.

9.) Was besagt das Prinzip der periodengerechten Erfolgsermittlung?
Das Prinzip der periodengerechten Erfolgsermittlung besagt, dass einer Abrechnungsperiode (im Regelfall dem Geschäftsjahr) die Erträge und Aufwendungen zuzurechnen sind, die in ihr verursacht wurden.
Es ist somit nicht entscheidend wann innerhalb der Abrechnungsperiode die Zahlung geleistet wurde, sondern wann die Leistung dafür erbracht wurde – also Verbrauch eines Gutes, einer Dienstleistung oder eines Rechtes.

10.) Warum kann es bei der Erfolgsermittlung in Form der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) keine aktive Rechnungsabgrenzung geben?
Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) als vereinfachte (steuerrechtliche) Erfolgsermittlung kennt nur den Zahlungsvorgang als Grundlage (AR: Ausgabe jetzt / Aufwand später) der einfachen Buchführung. Somit kann es bei der Einnahmenüberschussrechnung keine aktive Rechnungsabgrenzung geben

11.) Unter welchen Voraussetzungen ist eine aktive Rechnungsabgrenzung zu bilanzieren?
Aktive Rechnungsabgrenzung ist nach § 250 (1) HGB wie folgt zu bilanzieren: „Als Rechnungsabgrenzungsposten sind auf der Aktivseite Ausgaben vor dem Abschlußstichtag auszuweisen, soweit sie Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen.“ (Quelle: http://dejure.org/gesetze/HGB/250.html)

Basislektüre für diesen Beitrag: Das Controlling 1×1: Unternehmenserfolg steuern mit Kennzahlen. Tipps zu Basel II. Checklisten und Fallbeispiele